Vertreibung: Deportation und Ermordung jüdischer Bürger

 

     
 

Jüdische Opfer des Nationalsozialismus im Wadgasser Raum

 
     
 

Nussbaum, Sally Samuel (* 28.04.1886 in Differten) geboren am 28. April 1886 in Differten
lnhaftierungsort: 15. November 1938 - 02. Februar 1939, Dachau, Konzentrationslager
Deportationsziel: ab Baden - Pfalz - Saarland im Rahmen der sog. 'Bürckel/ Wagner-Aktion' am 22. Oktober 1940, Gurs, Internierungslager Rivesaltes, Internierungslager / Todesdatum/-ort: 07. Juli 1941, Rivesaltes, Internierungslager

Schwartz, Siegfried (* 14.03.1925 in Merchweiler) geboren am 14. März 1925 in Merchweiler / Ottweiler/ Saargebiet
wohnhaft in Differten Deportationsziel: 1940, unbekannter Deportationsort

Schwarz, Fanny (* 19.01.1890 in Differten) geborene Nussbaum geboren am 19. Januar 1890 in Differten
Deportationsziel: ab Baden - Pfalz - Saarland im Rahmen der sog. 'Bürckel/Wagner Aktion' am 22. Oktober 1940, Gurs, Internierungslager Drancy, Sammellager / Todesdatum/- ort: 14. August 1942, Auschwitz, Vernichtungslager

Schwarz, Sigmund (* 17.03.1891 in Merchweiler) geboren am 17. März 1891 in Merchweiler, wohnhaft in Differten
Deportationsziel: ab Baden - Pfalz - Saarland im Rahmen der sog. 'Bürckel/Wagner Aktion' am 22. Oktober 1940, Gurs, Internierungslager Drancy, Sammellager / Todesdatum/-ort: 14. August 1942, Auschwitz, Vernichtungslager

Schwarz, lrma (*23.01.1922 in Differten)
Deportationsziel: ab Baden - Pfalz - Saarland im Rahmen der sog. 'Bürckel/Wagner Aktion' am 22. Oktober 1940, Gurs, Internierungslager Drancy, Sammellager / Oktober 1940, Gurs, Internierungslager

 
     
 

 
 

Ansicht Vernichtungslager in Gurs, Südfrankreich

 
     
 

AUGENZEUGINNENBERICHT
Erinnerungen der aus Kaiserslautern stammenden und Überlebenden Margot Wicki-Schwarzschild wird der menschenverachtende Abtransport in die Vernichtungslager Gurs und Auschwitz geschildert.

 

 

 

(…) Eines sehr frühen morgens, bei Nacht und Nebel, am 22. Oktober 1940, wurden wir jäh aus dem Schlaf gerissen: Stiefelgetrampel und lautes Klopfen an der Wohnungstür. Ich sah meine Eltern erbleichen, zu Tode erschrecken. Nun schien es so weit zu sein ... In der Tür standen Gestapo-Leute in Zivil. In barschem Ton forderten sie uns auf, das Wichtigste zu packen, pro Person war ein Koffer erlaubt. Wir hätten das ’Reichsgebiet‘ zu verlassen. In einer Stunde mussten wir bereit sein. Ich sah meinen Vater zittern, meine Mutter weinen. (...) So standen wir Hausbewohner des Judenhauses, zusammen mit unserer fast 80jährigen Großmutter, eine Stunde später übernächtigt und blass bereit zum Abtransport. (...) Rechtlos und wehrlos wurden wir mit einem Autobus in eine Wirtschaft am Rande der Stadt, der Löwenburg, gefahren. Viele andere Juden aus der Region saßen bereits trostlos herum, ständig wurden neue herangeschleppt. Es kamen Kleinkinder, Kinder, Erwachsene, alte und kranke Menschen. Zwei Großtanten meines Vaters aus Gaugrehweiler, klein und gebrechlich, wurden von Sanitätern auf den Armen hereingetragen, weil die gehbehindert waren. Sie haben den Transport nicht überstanden. Wir wissen nichts über ihren Verbleib. Jedenfalls kamen sie nie in Gurs an. Der Tag in der Löwenburg wollte nicht vergehen. Ratlosigkeit, Angst, Fassungslosigkeit, Ohnmacht, Empörung - alle Facetten der Gefühlsbewegungen standen den Menschen ins Gesicht geschrieben. Niemand wusste, wohin es ging, niemand wurde informiert. Erst als den Leuten das Bargeld abgenommen und ein bestimmter Betrag in französischer Währung ausgehändigt wurde, sickerte es durch: Sie werden uns nach Frankreich schicken. (…)

 
     
 

Diffamierung, Vertreibung und Ermordung

 
 

Für Wadgassen und Differten wird die Zahl der 1943 hier noch lebenden jüdischen Familien mit 9 angegeben. "Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde vom Reichsommissar für das Saarland der jüdische Grundbesitz in Differten zur 'Arisierung' (1) vorgeschlagen, mit dem Ziel dort eine Anliegersiedlung zu bauen zu Lasten des Eigentums und des Besitzes der jüdischen Bürger. In Werbeln sollten jüdische Grundstücke zum 'freihändigen Verkauf durch Landwirte' angeboten werden, was einer Enteignung gleich kommt. Im Februar 1941 war die voon der Reichsregierung beauftrage 'Bayerische Bauernsiedlung GmbH' um eine sogenannte 'Arisierung' von Jüdischem Grundeigentum in Wadgassen.

In der Folge der in der bereits in der 'Wannssee-Konferenz' festgelegten systematischen Ausrottung der jüdischen Bevölkerung entstanden entsprechende Listen mit Namen von jüdischen Bürgern zweier in Differten ansässiger Familien. Bis zum Tag ihrer Verschleppung wohnten Sigmund und Fanny Schwarz mit ihrer Tochter Irma in einem Judenhaus in Wadgassen, Bergstraße 33. Am 14. August 1942 wurden Fanny und Sigmund Schwarz mit dem 'Abschub Nr. 19' von Drancy aus nach Auschwitz transportiert, wo sie von der Rampe weg ins Gas zur Ermordung gebracht wurden. Sally Nußbaum aus Differten kam beim Transport in Richtung Gurs im Zwischenlager Rivesaltes 1941 ums Leben. Siegfried Schwarz, der in Differten geboren wurde, ist unbekannt verschollen. (aus: Volk: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933-45, S. 134)

 
     
     
     
     
 
 
 

 

 

 

GEMEINDE WADGASSEN | www.wadgassen.de | patrik.feltes@wadgassen.de